Dillmann Kunstmarkt 2008


Eröffnung:
29.11.08, 11 Uhr - mit Sprach-Performance von Timo Brunke

Die Olympiade in Peking ist vorbei, die chinesische Kunst bleibt. Genauso wie die Durchführung der Olympischen Spiele bestimmte Vorurteile und Klischees in den Köpfen beseitigt hat, räumt der Dillmann-Kunstmarkt mit gewissen Klischees auf – mit Klischees vom zeitgenössischen Künstler, vor allem aber auch mit den Klischees vom chinesischen Künstler. Die wenigsten Künstler sind wirklich weltfremde, in sich verschlossene Typen, die im schwarzen Rollkragen-Pulli oder mit Baskenmütze und Ringel-Shirt herumlaufen, genauso wie nicht alle asiatischen Künstler kaligrafische Schriftzeichen oder Porzellanskulpturen produzieren. Wer in den letzten drei Jahren auf dem Dillmann-Kunstmarkt war und die anwesenden, offen auf die Besucher zugehenden, Künstlerinnen und Künstler kennen gelernt hat, weiß dies. Dieses Jahr liegt ein Fokus des Dillmann-Kunstmarkts, der von der Dillmann-Stiftung (gegründet von ehemaligen Schülern des Dillmann-Gymnasiums) mit Unterstützung der beiden Stuttgarter Kunstvermittler Marko Schacher und Mario Strzelski organisiert und kuratiert wird, auf junger asiatischer Kunst. Allerdings wohnen, arbeiten und/oder studieren alle eingeladenen Künstler in der Region Stuttgart.

Gleich sieben Positionen aus China und Süd-Korea reflektieren Klischees asiatischer Kunst. Yi Sun, die bereits zum dritten Mal dabei ist, benutzt für ihre Papierarbeiten zwar auch Tinte, erschafft mit Ihnen aber surreale, filigrane Figuren, welche asiatische und westliche „Marken“ vereinen. Mit einem gewitzten Augenzwinkern in Richtung Salvador Dali lässt Mi-Yeon Ju ihre Porzellan-Tassen scheinbar über die Tischkante dahin schmelzen. Überhaupt scheint sich das Thema „Ost meets West“ durch einen Großteil der Exponate zu ziehen.

So hat Xianwei Zhu eine Serie mit kleinformatigen Gemälden erschaffen, in denen er Buddha-Figuren mit den Insignien des Westens konfrontiert und kombiniert. Heasun Kim verpasst Dutzenden von gesichtslosen Ton-Figuren Superhelden-Masken und erschafft so psychologisch vieldeutige Szenarien.
Sangho Park, der in den letzten beiden Jahren seine als Filmkulissen verfremdeten Stadtansichten präsentierte, widmet sich dieses Jahr in seinen digital verfremdeten Fotografien dem Automobil. Seunghee Hong inszeniert Emotionsräume und hält die faltige Schwere in poetischen Schwarz-Weiß-Fotografien fest. Auch Jungmin Ryu versteht ihre digital bearbeiteten Fotografien, in denen sie Stadtansichten zu surrealen Anordnungen zusammensetzt, als Mosaiksteine ihrer inneren Welt.

Die poetischen Landschaften und Stadtlandschaften von Johanna Jakowlev laden zum Eintauchen in die Leinwand ein, genauso wie die aus Hunderten Schichten von Acryllasur bestehenden Farbwolken von Suzanne Kolmeder. Daniela Binder, Erica Hancins Petra Kikel, Rüdiger Scheiffele, Marion Springer und Axel Teichmann präsentieren collagenhafte, grell bunte Gemälde, die frech zwischen abtrakt und figurativ, Deko-Mustern und Psycho-Portraits changieren. Bernd Schmidts Tapis-Bilder erinnern an alte Wandteppiche, erzählen aber neue Geschichten. Marc Dittrich setzt in seinen Malereien den aus den Medien bekannten „Helden der Arbeit“ ein Denkmal. Hartmut Landauers zwischen Malerei und Wandrelief changierenden „Memoryscapes“ sind gleichseitig abstrakte Augenkitzel und Landschaften. Bernadette Wolbring beschäftigt sich in ihrer Fotoserie „Vista“ mit Lichteinfällen von Gemälden Alter Meister, die sie als Tapetendrucke „fälscht“.

Mit den zwischen Figuration und Abstraktion changierenden Plastiken von Uli Gsell, Manuela Tirler, Thomas Putze und Birgit Rehfeldt wurde der vermehrten Nachfrage nach plastischen Werken Rechnung getragen.

Mit einem Teil der Verkaufserlöse der letzten Jahre wurde der Bau der neuen Aula unterstützt, in welcher der Dillmann-Kunstmarkt 2008 zum zweiten Mal stattfindet. Auch dieses Jahr haben die Organisatoren wieder eine zeitgemäße, reizvolle Präsentationsform gefunden, welche auf die Räumlichkeiten eingeht.

Ein Großteil der Künstler wird extra für die Ausstellung spezielle Werke oder Auflagen schaffen und wird während des zweitägigen Kunstmarkts vor Ort anwesend sein. Da viele Kunstwerke unter 500 Euro angeboten werden, räumt der Dillmann-Kunstmarkt auch gleichzeitig mit dem Vorurteil auf, dass anspruchsvolle zeitgenössische Kunst nur etwas für dicke Geldbeutel ist.

Marko Schacher

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