Einleitung: Zur Entstehungsgeschichte der Galerie OP-Nord:

Vor zwei Jahren kam die in der Nordbahnhofstraße 45 arbeitende Künstlergemeinschaft mit dem Kulturamt überein, die seit Jahren leerstehende, ehemalige Hausmeisterwohnung als Galerie "OP-Nord" nutzen zu können. "OP" steht für Offene Positionen. Zur ersten Ausstellung "Umbau" im November 2001 stellten sich die 15 Künstler des Atelierhauses selbst vor.

Obwohl ein Umbau zum White Cube mittlerweile nicht mehr realisierbar ist, beschloss man, an der Idee festzuhalten und zukünftig jungen, noch nicht etablierten Künstlern in einer losen Ausstellungsreihe die Gelegenheit zur Präsentation zu geben - allerdings mit den Rahmenbedingungen des jetzigen Zustands der ehemaligen Hausmeisterwohnung. Aufgrund seiner guten Verbindungen zur Stuttgarter Kunstszene und seiner bisher organisierten spannenden Ausstellungsprojekte wurde Marko Schacher als Kurator für diese Ausstellung ausgewählt.


Zum Hintergrund der Ausstellung:

Nach einer ersten Begehung der Räumlichkeiten stand der Kurator vor der Frage, ob es ratsam sei, die drei Zimmer der inzwischen verwaisten Hausmeisterwohnung zum "White Cube" zu schminken oder den Charme der ursprünglichen Einrichtung zu erhalten. Aufgrund der eigenen Faszination für die vorgefundene spezifische Atmosphäre, die irgendwo zwischen Swinger-Club, Kneipe und Spielhölle liegt, entschied sich Marko Schacher dafür, die Räumlichkeiten so zu belassen und stattdessen Künstler aufzufordern, auf die vorgefundenen Verhältnisse zu reagieren.

   

Als erster Schritt wurden die ausgewählten Künstler - darunter viele Kollegen aus dem Stuttgarter Westen - unter dem Motto "West meets North" zur Wohnungsbesichtigung in die Nordbahnhofstr.45 geladen. An einem eisigen Vor-Weihnachtsabend traf man sich bei Dosenbier und Chips, um auf den verbliebenen wackeligen Stühlen zusammen mit den Haus-Künstlern das Ausstellungsprojekt zu besprechen. Ein erster positiver Nebeneffekt bestand darin, dass sich zwei Künstlerwelten begegneten und näher kamen. Der zweite Effekt war die Idee zur Ausstellung "Manni".





>> vergrößerte Darstellung
der "West meets North"-Impressionen

(Fotos: Marko Schacher)
   

Manfred "Manni" Bruhn war der Hausmeister, der über viele Jahre bis zu seinem Tod vor zwei Jahren das Atelierhaus betreute und in den inzwischen für Ausstellungen genutzten Räumlichkeiten wohnte und hauste. Für die im Haus arbeitenden Künstler machte der empfindsame aber oft auch launische Lebenskünstler einen Großteil des Hauses selbst aus - und für viele ist "Manni" in seiner ehemaligen Wohnung noch immer lebendig.


Die Ausstellung:


Eine Künstlergruppe und insgesamt elf Künstlerinnen und Künstler werden mit ihren Arbeiten auf die vorgefundene Situation reagieren. So wird "Dein Klub" die seit Frühjahr 2002 laufenden Dreharbeiten für das Trash-Remake von Kevin Costners Endzeitepos "Waterworld" von seinem angestammten Raum, der Abstellkammer von Oberwelt e.V., in die Nordbahnhofstr.45 verlegen und bei diesem "Außendreh" das Publikum als Kulisse und Komparsen miteinbeziehen. Die Monstrosität und Dekadenz der Filmbauten konterkarierend, zugleich aber den Bastel-Flair der Film-Kulisse aufnehmend entsteht in Manfred Bruhns ehemaligen Wohn- und TV-Zimmer eine Mischung aus Installation und Filmstudio, deren Grenzen die Besucher mitbestimmen.

>> mehr und bessere Bilder von den "Wotørwoerld"-Dreharbeiten

Karin Ludmann wird zusammen mit dem Künstlerduo Hans Pfrommer / Armin Subke ein Zimmer der Wohnung mit Jugendzimmer-Elementen ausstatten und so gewissermaßen zur Zeitmaschine umfunktionieren. Während Karin Ludmann das vorhandene Holzvertäfelungs-Flair mittels Star-Bettwäsche, Postern, Pflanzen-Ampeln und Hanuta-Fußball-WM-Sammelaufklebern verstärken und spürbar übersteigern wird, werden Hans Prommer und Armin Subke mittels einer eigens geschossenen Fotoserie von Armin Subkes Meerschweinchen an die guten alten Zeiten erinnern.

Uta Weyrich und Eva Paulitsch nehmen die Lebensgeschichte des ehemaligen Bewohners als Anlass, um das Klischeebild "Hausmeister" zu hinterfragen und zu individualisieren. Sie bereiten private Aussagen verschiedener Stuttgarter Hausmeister zu öffentlichen Statements auf. In Form einer Audio-Installation an entsprechenden Stellen im Haus wird der Vorübergehende unerwartet mit diesen Kommentaren konfrontiert, so dass er unwillkürlich von der Rolle des Ausstellungsbesuchers in die Rolle eines potentiellen Mieters gedrängt wird und der Ausstellungsraum somit subtil seine ursprüngliche Funktion einer Mietwohnung wieder einnimmt.

Eva Teppe wird ihre Arbeit "Ein Tag draußen" zeigen. Ihr Video, das auf eine Weinflasche projiziert wird, dokumentiert über eine halbe Stunde den Schlaf und das Erwachen eines scheinbar obdachlosen Mannes auf einer Parkbank am frühen Nachmittag.

   

Auch Kristina Fistr und Kathrin Sohn alias "TESTFORM" haben auf die Lebensgeschichte des ehemaligen Mieters reagiert und initiieren zur Vernissage, Finissage und zu kurzfristig anberaunten Terminen unter dem Motto "Fuck Art, Let's Dance" Privatparties auf der Toilette. Die illustre Gesellschaft, bestehend aus Türsteher, DJ, GoGo-Girls und Gästen wird die Besucher mit den fließenden Grenzen von Privatheit und Öffentlichkeit, Skurrilität und Dekadenz konfrontieren.

Franziska Heyder wird auf ihren Fotografien Ausschnitte aus der heimelig-bürgerlichen Welt der Käse-Igel und Salzstangen-Mikados zeigen und mittels Dia-Projektion einen Seelenverwandten von "Manni" vorstellen.

Hanns-Michael Rupprechter, als Leiter des "Stuttgarter Kunstvereins" an Ausstellungen im privaten Ambiente gewohnt, wird in die Rolle Manfred Bruhns schlüpfen und mit Publikumsbeschimpfungen und privaten Urlaubsfotografien für Irritationen sorgen.

Tilmann Eberwein wird mit einer Installation auf die übrigen Arbeiten reagieren und eventuell mit dem als Skulpturen-Garten genutzten Vorgarten versöhnen.

Die in der Publikation zum 15jährigen Jubiläum der Ateliergemeinschaft von Ruth Biller geäußerte Absicht, im Sinne einer zukunftsorientierten Ateliergemeinschaft "Kommunikationspodien zu schaffen" und durch Ausstellungsprojekte die Vernetzung mit anderen Künstlern und Kunstinstitutionen voranzutreiben, wird mit diesem Ausstellungsprojekt unterstrichen.

Während der "Langen Nacht der Museen" am 29.3. werden alle im Haus arbeitenden Künstler parallel zur Finissage der "Manni"-Ausstellung ihre Ateliers öffnen. Eine Bar und verschiedene angekündigte und nicht angekündigten Performances werden die Interaktion fördern.

Die Ausstellung wird vom Kulturamt der Stadt Stuttgart und der LB=BW gefördert.


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