Katja Dell


Auswahl-Pics:
Auswahl aus verschiedenen in Amerika und Stuttgart entstandenen Fotoserien
   
 
   
 
   
 
   



Zur Serie "Disneyparks" - inkl. biografischen Angaben:

Ich heiße Sie willkommen in der Dineylandisierung! Doch ehe wir uns ins Reich der Mickey-Mäuse und der Kunststoffschwerter begeben, möchte ich Ihnen gerne die Künstlerin vorstellen:

Katja Dell, geboren 1970, studierte von 1992 bis 1999 Graphik-Design und Photographie an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart. Reich stipendiert während und nach dem Studium, konnte sie die Welt, genauer: New York, Tokyo und Paris, photographisch erkunden. Seit 1998 waren Katja Dells Arbeiten bei zahlreichen Ausstellungen zu sehen, etwa 1999 im Rahmen der Ausstellung ZAC99 im Musée d' Art Moderne de la Ville de Paris oder 2001 in der Ausstellung "Not at Home" in der Akademie Schloss Solitude, Stuttgart. Auch reich bepreist sind Katja Dells Photographien, 1998 gewann sie den 1. Preis der Kenzo Paris Graphic-Designcompetition, 2000 dann den Förderpreis Kodak bei der Photokina in Köln. In Schorndorf waren Ihre Arbeiten bereits einmal 2000 zu sehen in der Einzelaustellung "Getrumpfte Banalität" in der Manufaktur.

Katja Dells Photographien entstehen nicht im Studio hinter verschlossener Türe, sondern beim Spazieren durch die Welt mit wachem Blick. Ihre Spaziergänge führen Katja Dell zwar oft zu bedeutenden Ereignissen oder an bedeutende Orte, doch gilt ihr Blick hierbei nicht dem zentralen Ereignis oder Monument. Sie sucht vielmehr, mit der Fokussierung auf Randphänomene, dem Charakter des kulturellen Ereignisses von der Peripherie auf die Spur zu kommen. So zeigte etwa ihre Fotoserie "Vip's only" nicht die Stars beim Filmfestival von Cannes, sondern diejenigen, die gerne einen Blick auf die Stars erhaschen möchten, wohingegen die Reportage über den Markus-Platz von Venedig nicht etwa die architektonischen Schönheiten Venedigs, sondern die Kameramodelle von Touristen auf der Jagd nach dem schönsten Erinnerungsfoto dokumentiert.

Ebenfalls eine zentrale Touristenattraktion sind die Disneyparks in Paris, Tokyo und Los Angeles, mit denen sich Katja Dells Photographien in dieser Ausstellung auseinandersetzen. Allerdings sind sie eine Attraktion spezieller, etwas wunderlicher Art, aber deswegen vielleicht um so typischer für das Zeitalter der oft wortverdächtig beschworenen Globalisierung: denn fährt der Tourist im Normalfall an einen fernen Ort, um die dortigen Sehenswürdigkeiten, Land und Leute kennenzulernen, so fährt der Disneybesucher um die halbe Welt, von Los Angeles nach Paris, um dort im wesentlichen das bereits Bekannte, Gleiche aufzusuchen, um etwa mit dem gleichen Raddampfer namens Mark Twain in einer nahezu identischen Kulissenlandschaft umherzufahren.

Ungeachtet der kulturellen Besonderheiten des jeweiligen Kontinents wird die Welt - in diesem Falle die Welt innerhalb der Grenzen des Disneyparks - einheitlich disneyfiziert, sogar der Wasserspender am Eingang des Disneylands in Tokyo wirft ironischerweise bereits einen Schatten in Form von Mickey-Mouse-Ohren. Diese befinden sich auch auf fast allen Köpfen der Besucher, als Marke der Zugehörigkeit zur Disney-Welt.

Verkleidet als Disney-Produkt begeht der Besucher eine Welt aus kulissenhaften Gebäuden, aus künstlich in Form gebrachter Natur, die eine Bühne, ein Forum für die Darstellung des Disneyhaften bietet, ähnlich wie etwa barocke Schlösser und Gärten als Bühnen zu Darstellung herrscherlicher Pracht dienen.

Im Unterschied jedoch zu den barocken Baulichkeiten bietet die Disney-Welt keine stilistische Eindeutigkeit. Barocke Gartenelemente werden munter gemischt mit Schlössern, die historisierende Aufnahmen historistischer Schlossbauten aus dem 19. Jahrhundert sind, also gleichsam die Potenzierung des Historismus bedeuten. Auch in der demonstrierten Macht liegt ein Unterschied: waren barocke Schlösser tatsächlich bewohnt und dienten dem Herrscher bei der Demonstration seiner Macht zur Ausübung seines Berufes, demonstriert in der Disney-Welt ein Konzern seine Macht über die Freizeitgestaltung und - im Falle von Celebration, jener vom Disney-Konzern designten Stadt - auch die gesamte Lebensgestaltung der Menschen. Dankbar nimmt der Kulturelle Allesfresser, wie Dell den Disneypark-Besucher nennt, im Dschungel der Möglichkeiten das Angebot war, das vielfältigste Gemisch aus allen Möglichkeiten auf überschaubarem Raum in bunter, vereinfachter Form präsentiert zu bekommen.

Hierbei bietet die Disney-Welt verschiedene Stufen der Partizipation. Von Landschaftselementen, die nur zum Betrachten gedacht sind, über begehbare Kulissen und Kulissenelemente, an denen der Besucher selbst zum Disney-Akteur werden kann, etwa als Artus-Held am Schwert, bis hin zum Angebot der Disney-Komplettlösung für die Gestaltung der gesamten Lebenswelt in der Disney-Stadt Celebration.

Katja Dell hat innerhalb ihrer Bilderserie Bildgruppen zu den unterschiedlichen Elementen und Formen der Disneylandisierung gebildet. Sie sind jeweils mit einem kurzen erklärenden Text versehen, um dem Phänomen "Disney" nicht nur bildlich, sondern auch textuell auf den Leib zu rücken. Ich hoffe, dass Sie sich nun, ausgestattet mit unseren Erläuterungen und mit weiterem Textmaterial gut genug gerüstet sehen für die Begegnung mit den Bildern und möchte Sie einladen, sich nun ganz der Betrachtung der Ausstellung zu widmen.

Cornelia Lund


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