Volker W. Hamann

Auswahl-Pics:

zwei Skulpturen und zwei Wandarbeiten mit fotografischer Oberfläche im Eingangsbereich der Galerie im Heppächer - plus eine Skulptur im 1.OG und eine Skulptur im Hof der Galerie im Heppächer

   
 
Austellungsansicht Galerie im Heppächer  
 
Austellungsansicht Galerie im Heppächer  

Es ist aufschlussreich, wenn man den künstlerischen Weg von Volker W. Hamann von Anfang an verfolgt hat. Gelernt hat er Steinmetz und beschäftigte sich parallel dazu mit der künstlerischen Fotografie: Skulptur, Masse, Gewicht, Raum, die Hand und die Dauer sind das eine und Fläche, Licht, Leichtigkeit, der Moment und das Auge das andere. Seit den letzten 5 Jahren beschäftigt ihn die Aufgabe, seine Skulpturen leicht zu machen und seine Fotos schwer, um beides in Verbindung setzen zu können, ohne den Eigenwert der benutzten Mittel aufzuheben. Pinakes nennt Hamann solche Ergebnisse, in denen es ihm mit einem besonders dafür entwickelten Verfahren gelingt, Fotos in die Oberfläche seiner Holzskulpturen eindringen zu lassen.

In den in Deutschland und der Antikenbegeisterung der letzten Jahrhunderte gegründeten Pinakotheken schwingt das Wort für bemalte Holzobjekte der antiken Welt mit. Festzuhalten gilt, dass Hamann mit seinen Pinakes eine alte Tradition aufgreift und sie mit fotografischen Techniken konfrontiert. Dadurch wird eine herkömmliche Sichtweise völlig verändert und ungewohnte und verblüffende Ergebnisse werden eingeleitet. So lässt sich festhalten, dass den natürlichen Strukturen des Holzes etwas technisches entgegengesetzt wird. Die Jahresringe des Holzes werden ersetzt durch Spuren der Fotografie. Moderne Wirklichkeit wird ihm damit eingestempelt. Damit setzt eine Dynamisierung des Materials Holz ein. In solcher Vorgehensweise leuchtet der Antrieb des künstlerischen Schaffens Hamanns auf: Die Muster der Natur werden im neuen Licht komplexer Technologien betrachtet. Diese Einstellung dürfte wohl auch ein Grund dafür sein, dass er in den frühen 90er Jahren vom Stein zum Material Holz findet.

Er deckt auf, dass Holz wie kein anderes Material unsere Zeit vergegenwärtigt. Mit Hilfe der Kettensäge, die Volker W. Hamann mittlerweile so präzise und schnell wie einen Pinsel schwingt, wird das biologische Material Holz schnell formbar, anpassungsfähig. Zugleich hinterlässt die Maschine Spuren wie informelle und gestische Malerei auf der Holzoberfläche. Auch hier löst die Konfrontation von Maschine und gewachsener Festigkeit das Material Holz auf. Es wird in den Händen des Künstlers fast weich und nahezu flüssig. In den Anfängen seines Schaffens stellt Volker W. Hamann das Wachstum des Holzes in den Mittelpunkt. Er entdeckt in seinen zumeist uralten Holzbalken aus Abbruchhäusern menschliche Figuren, die er wie Geister aus diesen heraus erlöst. Aber bereits 1996 arbeitet der Bildhauer gegen dieses Einfühlen und die eindimensionale Figuration an. Es ist, als würde er dem Holz ein anderes Leben aufzwingen. Die organischen und komplexen Formen des menschlichen Körpers werden zerlegt in überschaubare Einheiten. Diese Einheiten bestehen aus Linienstrukturen, die sich überkreuzen und dadurch Quadrate bilden. Serielle Strukturen, die der Computer berechnet, werden dem Holz ‚eingepflanzt'. Alle seine Holzskulpturen sind Ausschnitte fortlaufender Quadrierungen.

Das "schwarze Quadrat auf weißem Grund", wie es Kasimir Malewitsch 1918 entwickelt hat und damit Generationen von nachfolgenden Künstlern beeinflusste, hat in den Skulpturen von Volker W. Hamann eine weitere neue Dimension erreicht. Dieses Quadrat fungiert wie eine biologische Zelle. Ihre Anzahl und Größe bestimmt Länge und Breite der Skulpturen. Haupt- und Nebenentwicklungen der "Zelle" werden möglich. Sie ist an der Oberfläche und geht in die Tiefe.Das Holz wird ausgehöhlt, durchbrochen: "Das Wichtigste an einer Skulptur ist das Loch in der Mitte" formuliert der Künstler. Die Quadrate bilden nun das künstlerische System. Sie sind das Gerippe an Stelle der Jahresringe. Eine zweite Natur ist über die erste, die natürliche, gelegt. Der Fluss der quadratischen Zellen webt nun das Körperhafte. Leichtigkeit und ein Spiel mit der Äquilibristik treten an Stelle gewohnter Statik, Abfolgen und überraschende Eingänge und Erhebungen, Rundungen und Spannungen an Stelle einer äußerlichen ‚Biologie'.

Es ist nicht eingetreten, was nach Malewitsch "Schwarzem Quadrat" prophezeit worden ist: Dass die Kunst zu ihrem Ende gekommen ist. Noch hat Le Corbusier, der Bauhauslehrer, seinen "plan voisin" durchgeführt, der vorsah, ganz Paris abzureißen und in Form weitverzweigter, kreuzförmiger Hochhäuser wieder zu errichten. Wenn man Volker W. Hamanns Holzskulpturen unter diesem Aspekt betrachtet, trifft viel eher das zu, was Kasimir Malewitsch Matjasin geschrieben hat, dass sein "Schwarzes Quadrat auf weißem Grund" eher als "Fenster zur Welt" zu deuten sei.

I
n den Skulpturen von Volker W. Hamann ist das Quadrat ein solches Fenster geworden. Ein Fenster, in dem sich Autos und Menschen spiegeln. Fenster, in die man hineinschaut und den gesamten Bauorganismus entdeckt. Sie sind Fenster, aus denen man herausschaut in seine Umgebung und die Fensterreihen der Plattenbauten in Piotrków Trybunalski oder das Hochhauskonzept des Bauhauses und unseres modernen Städtebaus entdeckt.

Und doch sind diese Fensterquadrate etwas ganz anderes. Sie funktionieren wie menschliche Zellen, die unseren physiologischen und emotionalen Bedürfnissen entsprechen. So gesehen sind Volker W. Hamanns Skulpturen eine Verbindung von Rhizome erzeugender Biologie und geradliniger Technik, von Reißbrett und Modul, von Quadrat und Zelle. Sie sind in Bewegung versetzte Festigkeiten. Es sind flüssige Skulpturen oder wie der Künstler sie nennt "Stadtkörper und Körperstädte".

Rudolf Greiner

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Biografie:

1962 geboren in Stuttgart

1993-95 und 1998 Atelierförderung durch die Staatliche Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe

2004 Stipendium der ZF-Stiftung Friedrichshafen

lebt und arbeitet in Filderstadt



Beteiligung an Symposien und Künstlerbegegnungen:

1994
"Vom Baumstamm zur Kolzskulptur", Bildhauersymposium Sudhaus Tübingen

1996
Bildhauersymposium Kirchzarten

1997
Bildhauersymposium Badgarten Überlingen Bodensee
Internationales Künstlersymposium "Translacje III", Piotrkòw Trybunalski Poland

1998
Bildhauersymposium "Holz und Skulptur 98", Landesgartenschau Plochingen
"Translacje IV", Piotrkòw Trybunalski, Polen (K)

1999
1. Rottenburger Bildhauersymposium, Kulturverein Zehntscheuer e.V. Rottenburg am Neckar
"Grenzenlose Kunst", Artline Borken & Bredevoort, Niederlande
"Translacje V", Piotrkòw Trybunalski, Polen

2001
"Grenzen überschreiten", Holzbildhauersymposium Bad Rappenau

2002
"Traumfeld Holz 2002", Holzbildhauersymposium Landesgartenschau Ostfildern

2003
"11. Waiblinger Bildhauersymposium", Künstlerische Leitung
"Kunst bewegt - bewegte Kunst", Holzbildhauersymposium Neckarsulm
"Kunst & Wissenschaft - gestern & heute", Symposium Centrum Rzezby Polskiej Oronsko



Einzelausstellungen (Auswahl):

1992
Galerie von Kolczynski, Stuttgart

1993
Galerie von Kolczynski, Stuttgart

1995
Galerie am Haagtor, Tübingen
Galerie Zehntscheuer, Möglingen

1996
Galerie im Chambre de Commerce, Strasbourg

1997
Künstlergilde Buslat, Schloß Bauschlott
"Sept Jours=Sept Sculptures", Fènètrange, Frankreich
"Zwischen gestern & Morgen", Galerie Kunstkabinett Kirchheim

1998
"Auf der Mitte des Weges", Galerie Planie 22, Reutlingen

1999
"Landschaft/Raum/Umraum", Kultur OHG Frankenhardt
"Przestzen-Bezprzestrzen", BWA Galerie Piotrkòw Trybunalski, Polen (Katalog)

2000
"Raum und Unmraum", Galerie Keim, Stuttgart (K)
"Nur für mich selbst", Arbeitsaufenthalt Centrum Rzezby Polskiej Oronsko
"Das Wichtigste an einer Skulptur ist das Loch in der Mitte", Kunstverein Kirchzarten/Freiburg

2001
"Vollholz", Galerie Keim, Stuttgart

2002
"Spuren-Raum-Bewegung", Galerie Brötzinger Art, Pforzheim
"Raumfaltungen", Galerie Keim, Stuttgart
"Urbane Ansichten", Galerie auf dem Podest, Stadtbibliothek Reutlingen
"Stadtkörper & Körperstädte", Kulturverein Zehntscheuer Rottenburg/Neckar (K)
"Stadtkörper & Körperstädte", Bausparkasse Schwäbisch Hall

2003
"44 Tagnachte Nachttage", Galerie Keim, Stuttgart
"Raum in Holz - Holz im Raum", Galerie Pickroth, Neckarsulm
"Durchblick & Fernsicht", Badgarten Überlingen
"Bodenlos", Kunstraum Zehntscheuer Münsingen

2004
"Urbane Fragmente", Galerie Goldammer, Breisach
"Seite an Seite", Galerie Hölder, Ravensburg
"Ein-Blick/Weit-Blick", Galerie Keim, Stuttgart
"Die Selbstverständlichkeit der Dinge", Zeppelinmuseum Friedrichshafen
"Neue Ansichten", Galerie am Schloß, Ansbach


Gruppenausstellungen:

2001
"Baumstark", Haus der Wirtschaft Stuttgart

2004
"ART KARLSRUHE", zusammen mit der Galerie Keim, Stuttgart
"Alle Freiheiten im Rahmen der Möglichkeiten" (zsm. mit Konrad Schreyer), Städtische Galerie Filderstadt


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