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Rauminstallation "System-Immanent" im Schwörhaus |
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| Installationsansicht Schwörhaus |
In "SYSTEM-IMMANENT" hat Bernhard J. Widmann die Zwiespältigkeit unserer heutigen Existenz auf den Punkt gebracht, mit kritischem Blick für die Realität, aber ohne den Ansatz von Technikfeindlichkeit - denn Technik ist nur so feindlich, wie sie der Mensch feindlich sein lässt.
Die analog gefertigten fotografischen Portraits von Individuen verschiedener kultureller und gesellschaftlicher Herkunft - und damit auch Abstammung aus ver-schiedenen Systemen - werden konfrontiert mit unterschiedlichen Zahlensystemen, die zugleich individuelle wie allgemeingültige Merkmale notieren. Sind die Portraits, die Widmannschen Menschen-Bilder einmalig, scheinen die vor und nachgelagerten Zahlen-Bilder austauschbar und damit jedem der Menschen-Bilder zuordenbar.
Zwei Bildebenen treffen so aufeinander. Zum einen das Abbild von Menschen in klassischer Schwarz-Weiss-Fotografie, lebensgross auf Transparentfilm gebannt, jedes davon systematisch in der stets gleichen Position und Beleuchtung aufgenommen und damit (bei Zurücknahme fotoästhetischer Aspekte) auf eine Faktizität der fotografischen Erscheinung reduziert. Zum anderen das nüchterne digitale , Zahlenbild, das auf elektronischem Weg gestaltet, montiert und auf gleich grossem Transparentfilm belichtet worden ist.
Zwei Ansichten zeigt uns jedes Menschenbild bei differenzierter, vom Modell frei gewählter Standhaltung. In Profil-, en face-, dreiviertel-Profil-Stellung, aber auch in Rückenansicht und verlorenem Profil erscheinen Bernhard Widmanns Mitmenschen, die aus des Künstlers persönlichem Umfeld stammen, aus seinem Bezugssystem, und damit folgerichtig auch seiner Generation angehören.
Die vom Künstler vorgenommenen Teilung oder Zwiegespaltenheit der Dargestellten wird betont durch die trennende - und doch auch wieder verbindende - Ebene der Zeichenkolumnen, die exemplarisch für die Vielfalt der unterschiedlichen Systeme und deren alltäglicher Präsenz stehen.
Was in Bernhard Widmanns Installationen den Menschen trennt oder verbindet, in jedem Fall aber in seiner Existenz bestimmt, sind von ihm bearbeitete und überarbeitete Exempel der digitalen Realität unserer gesellschaftlichen Existenz. Umso deutlicher wird die Anonymität der Zahlenwerke, die uns, die wir uns in den fotografischen Widmannschen Menschen-Bildern nicht nur geistig, sondern auch real widerspiegeln, durchdringen, überlagern und umgeben, und uns eine Transparenz vortäuschen, die keineswegs real ist. Die "Durchsichtigkeit" der Widmannschen Bilder verweist auf einen Durchsichtigkeit des Individuums für das jeweilige System, aber nicht auf einen Durchsichtigkeit des jeweiligen Systems für das Individuum.
Otto Pannewitz
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Biografisches:
1979-86
Doppelstudium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart,
Kunsterziehung/Freie Grafik bei Prof. Peter Grau, Sotirios Michou, Wolfgang
Gäfgen,
ab 1984
Graphik-Design (Konzeption, Buchgestaltung) bei Prof. Kroeplien u. Kurt Weidemann
1980-84
Studium Universität Stuttgart, Geschichte
seit 1986
freischaffend in Stuttgart
seit 1993
künstlerische Projekte mit Fotografie und Medien für den öffentlichen
Raum
1989-94
Lehrauftrag für Fotografie MERZ-Akademie FH für Mediengestaltung,
Stuttgart
1990-92
Lehrauftrag für Fotografie, Fachhochschule für Gestaltung Pforzheim
1997-98
Lehrauftrag für Fotografie und Konzeption, Fachhochschule für Wirtschaft
Pforzheim
2001
Gastdozent für Fotografie, Universität Greifswald
Stipendien, Auszeichnungen:
1992
Förderstipendium des Ministeriums für Wissenschaft und Kunst, Baden-Württemberg
1995
Stipendium der Kunststiftung Baden-Württemberg
1993
Auszeichnung ADC New York + ADC Deutschland für Plakatreihe Schauspiel
Stuttgart
1996
Berufung in die Deutsche Fotografische Akademie (DFA)
2000
Berufung in die Deutsche Gesellschaft für Photographie (DGPh)
2003
Berlin-Stipendium der Kunststiftung Baden-Württemberg
Einzelausstellungen (Auswahl seit 1990):
1990
"Räume", Photogalerie Gisela Löffler, Stuttgart
1992
"Subjektive Photographie im Theater", Staatstheater Stuttgart
1993
"TRANSPARENZEN", Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart
1996
"SYSTEM-IMMANENT", Städtische Galerie Tuttlingen
1997
"ART GOES TV", Haus der Kunststiftung Baden-Württemberg
1998
"GOOD FOOD", Galerie Vayhinger, Radolfzell
1999
Galerie Schuster, Frankfurt/Berlin.
ART Frankfurt mit Galerie Vayhinger (Förderstand)
Galerie Harthan, Stuttgart, (Kuratorin Gisela Löffler);
Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg;
2000
Galerie Schwarz, Greifswald
2001
Kunstverein Schwäbisch Hall
Kunstverein Schaffhausen (CH)
2003
Städtische Galerie Ostfildern
Ständige Installationen:
1993
Mehrteilige, grossformatige Fotoinstallation aus "TRANSPARENZEN",
Pressehaus Stuttgart, Glashalle West
1994
Mehrteilige Fotoinstallation im Neurozentrum der Universitätskliniken Freiburg/Br.
1999
Stuttgarter Zeitung, Zentrale Annahmestelle, Glas-Lichtwand-Installation,
2002
Stadtsparkasse Gevelsberg, Fotoglas-Installation
2003
Sparkasse Eschwege-Witzenhausen, Foto-Glas-Installationen
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